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Herbert Haun:
Brandenburgisches Museum
für Klein- und Privatbahnen 2015

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Aus dem diesjährigen Sommerurlaub auf der Sonneninsel Usedom und der Frage heraus, was neben "Sommer, Sonne, Strand" denn sonst noch so zu unternehmen sein könnte, fand ich das Brandenburgische Museum für Klein- und Privatbahnen in Gramzow.

Es liegt in der Uckermark zwischen Prenzlau und Schwedt, ganz in der Nähe des Abzweigs der Autobahn A20 in Richtung Rostock von der Autobahn A11 Berlin - Stettin.

Gramzow war Betriebsmittelpunkt der Kreisbahn Schönermark - Damme, die in Schönermark Anschluss an die Hauptbahn von Berlin nach Stettin und in Damme Anschluss an die Strecke Prenzlau – Löcknitz der Prenzlauer Kreisbahn hatte. Zum Jahreswechsel 1905/06 ging sie in Betrieb und stellte diesen - nach Abbau nach dem zweiten Weltkrieg als Reparation und Wiederaufbau 1946/47 - bis zum Frühsommer 1995 in zwei Schritten wieder ein.

Der rührige Förderverein der Museums hat inzwischen den noch erhaltenen Streckenast von Gramzow nach Damme wieder betriebsfähig hergerichtet und befährt ihn auch von Zeit zu Zeit.

Eisenbahnmuseum Granzow 16.08.2015, Foto Herbert Haun

Bild 1: Eingang zum Brandenburgischen Museum für Klein- und Privatbahnen
16.08.2015 (Foto: Herbert Haun)

Das Bahnhofsgelände von Gramzow beherbergt neben dem Museum selbst auch einen Vorrat an noch aufarbeitungswürdigen Fahrzeugen und Betriebsmaterial.

Schwerpunkt der Ausstellung ist, wie der Name über dem Eingangstor ja auch schon sagt, die Darstellung des Klein- und Privatbahnverkehrs im Land Brandenburg, wobei Berlin als Ausgangspunkt der einen oder anderen Strecke nicht außen vor bleiben kann.

Sehr freundlich und auskunftsfreudig bin ich empfangen worden, man spürt das persönliche Engagement der Aktiven. An meinem Besuchs-Sonntag war auch ein kleines Museums-Café geöffnet. Wobei mein Interesse sich mehr auf die Ausstellung konzentriert hat.

An der Kasse kann eine interessante Auswahl an lokaler Kleinbahn-Literatur erworben werden. Natürlich kann man die auch im lokalen Buchhandel oder im Internet kaufen und bekommt sie dann nach Hause geschickt, aber wir Eisenbahnfreunde sollten immer daran denken, dass die kleine Marge, die in einem Buch steckt, einem Museums- oder Förderverein immer nur dann zu Gute kommt, wenn wir diese Publikationen auch dort kaufen.

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Eisenbahnmuseum Granzow 16.08.2015, Foto Herbert Haun

Bild 2: Bassinwagen Berlin 80 890 (Foto: Herbert Haun)

Von der Kasse aus kann man einfach die Ladestraße, auf der man sich befindet, als Ausgangspunkt eines Rundgangs nehmen. Linker Hand befinden sich die äußerlich konservierte pr. T3 89 7296 als Vertreterin einer typischen Kleinbahn-Lok der ersten Jahre, ein preußischer Bassinwagen, ein G-Wagen und eine Dampfspeicherlok als Vertreterin einer größeren Industriebahn aufgereiht.

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Eisenbahnmuseum Granzow 16.08.2015, Foto Herbert Haun

Bild 3: Dampfspeicherlok C01 (Foto: Herbert Haun)

Einige Schritte weiter geht es an der handbetriebenen Drehscheibe vorbei in Richtung Lokschuppen. Hier lädt die betriebsfähige Kleinlok des Museums an bestimmten Tagen zur Mitfahrt innerhalb des Bahnhofsgeländes ein.

Ende der 1930er Jahre bewarben sich verschiedene Lokomotivfabriken mit ihren Kleinlokomotiv-Baumustern darum, die Unterwegsbahnhöfe der Reichsbahn mit wirtschaftlich arbeitenden Betriebsmitteln auszurüsten. In der Folge beschaffte die Reichsbahn die allgemein bekannten Einheits-Kleinlokomotiven, die uns Eisenbahnfreunden als "Kö(f) II" geläufig sind. Diese Maschine der Deutschen Werke Kiel zeigt viele Merkmale der Einheits-Kleinloks, wirkt aber wuchtiger.

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Eisenbahnmuseum Granzow 16.08.2015, Foto Herbert Haun

Eisenbahnmuseum Granzow 16.08.2015, Foto Herbert Haun

Bild 4 und 5: Kleindiesellok Kö 5049 (DWK Typ 110 von 1939) (Foto: Herbert Haun)

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Neben einem kleinen Schuppen im weiteren Verlauf des Geländes finden wir eine Feldbahn als typische Ergänzung der Kleinbahn-Szene, denn viele Erzeuger - seien es Rohstoff-Betriebe wie Steinbrüche, seien es Agrarbetriebe oder die bis heute so betriebenen Torf-Abbauer - brachten ihre Erzeugnisse auf diese Weise zu den Kleinbahnhöfen.

Im Schuppen ist ein eine interessante Ausstellung über den kleinbahntypischen Gleisbau mit verschiedenen Werkzeugen und Oberbauformen zu sehen.

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Eisenbahnmuseum Granzow 16.08.2015, Foto Herbert Haun

Bild 6: Feldbahn (Foto: Herbert Haun)

Zurück zur Drehscheibe, finden wir auf den Aufstellgleisen eine Sammlung von Einzelstücken, die jedes für sich interessant oder besonders für die Thematik Kleinbahn sind. Die elektrische Güterbahn-Lokomotive mit einem Leiterwagen zur Oberleitungs-Pflege wirkt untypisch in dieser Umgebung, ist als weitere Vertreterin der Industriebahn ist sie aber dennoch wertvoll und ansehenswert.

Nicht hier dargestellt sind weitere Exponate, wie ein leider seiner Antriebsanlage beraubter vierachsiger Nebenbahntriebwagen nebst zweiachsigem Beiwagen, ein Messwagen, der auch auf den Kleinbahnen des Reichsbahnnetzes der 1960er Jahre zum Einsatz kam, und einige andere Nebenfahrzeuge zur Gleispflege.

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Eisenbahnmuseum Granzow 16.08.2015, Foto Herbert Haun

Bild 7: E-Lok L22 der Güterbahn Schöneweide
(AEG Typ "Gummersbach" von 1925) (Foto: Herbert Haun)

Im zweiständigen Lokschuppen findet sich auf mehreren Tafeln eine lesenswerte Geschichte der "Kleinbahn als solche" über die gesamte Eisenbahnzeit von 1835 bis heute sowie eine Reihe schöner Vitrinenmodelle typischer Kleinbahnfahrzeuge. Im Anbau ist eine komplette Werkstatt mit Schmiedefeuer, Bohrmaschinen, Drehmaschine etc. anzuschauen.

Ein wahres Kleinod, die 99 4503 als Vertreterin der schmalspurigen Kleinbahn auf 750 mm Gleis, sowie einige weitere, aufgearbeitete normalspurige Fahrzeuge nehmen die Gleise des Schuppens ein.

Wer sich mit der Westprignitzer Kreiskleinbahn, dem "Pollo", näher beschäftigt hat, kennt die Maschine. Sie wurde, obwohl für den Streckendienst eigentlich zu klein, noch 1963 neu bekesselt, aber schon 1968 abgestellt. Auf den letzten Fotos in einschlägigen Publikationen ziemlich heruntergekommen aussehend, wurde sie 1973 von dem Berliner Lokführer Rexzeh übernommen und liebevoll aufgepäppelt. Schließlich konnte sie 1996 mit einigen typischen 750 mm Schmalspurwagen durch das Museum übernommen werden.

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Eisenbahnmuseum Granzow 16.08.2015, Foto Herbert Haun

Eisenbahnmuseum Granzow 16.08.2015, Foto Herbert Haun

Bild 8 und 9: 99 4503, ehemalige Lok Nr. 17 "Wittenberge" der Westprignitzer Kreiskleinbahnen
(Sächsische Maschinenfabrik in Chemnitz von 1900)  (Foto: Herbert Haun)

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Obwohl nicht betriebsfähig, sieht sie so aus, als wollte sie in den nächsten Minuten von ihrem Rollwagen runterfahren, ihre Waggons schnappen und raus auf die Strecke gehen. Wer sich für den Pollo und für schmalspurige Kleinbahnen im allgemeinen interessiert, für den ist ein Abstecher in den Gramzower Lokschuppen ein unbedingtes Muss.

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Eisenbahnmuseum Granzow 16.08.2015, Foto Herbert Haun

Bild 10: Typischer Kleinbahnzug auf 750 mm Spur (Foto: Herbert Haun)

Auf dem Rückweg vom Schuppen zur Ladestraße finden wir weitere Nebenfahrzeuge, wie einen Eisenbahndrehkran, der beim Streckenausbau und als Kohlenkran einsetzbar ist.

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Eisenbahnmuseum Granzow 16.08.2015, Foto Herbert Haun

Bild 11: Eisenbahn-Kran für alle Belange einer Kleinbahn
oder eines Eisenbahnmuseums (Foto: Herbert Haun)

Ein aus einem preußischen Tender umgebauter Vorstell-Schneepflug zeugt davon, wie Kleinbahnen mit geringstmöglichem Aufwand auch im Winter ihren Betrieb aufrecht zu erhalten versuchten.

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Eisenbahnmuseum Granzow 16.08.2015, Foto Herbert Haun

 Eisenbahnmuseum Granzow 16.08.2015, Foto Herbert Haun

Bild 12 und 13: Schneepflug, aufgebaut auf altbrauchbarem Tender
einer ausgemusterten pr. P8 (Foto: Herbert Haun)

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Schließlich gibt es im Güterschuppen eine Ausstellung über die Ausstattung von Kleinbahnen mit Signal- und Kommunikationseinrichtungen sowie über eine Güterbahn des Berliner Nordwestens als Beispiel der Entwicklung von stadtnahen industriellen Anschlussbahnen über die Jahre bis heute.

Die kleinen Gäste finden eine Playmobil-Anlage mit zwei Ovalen zum selber-Steuern der beiden Züge.

In der Summe hat sich mein Besuch, auch wenn ich nur drei Stunden Zeit hatte, wirklich gelohnt. Vom Kleinbahnbazillus befallene Eisenbahnfreunde können mit etlichen Exponaten erheblich mehr Zeit verbringen. Die Hochbauten und Wege des Museums sind äußerst gepflegt und werden noch viele Jahre Bestand haben. Die Aktiven sind äußerst freundlich und aufgeschlossen.

Die Exponate sind, wie bei den meisten Eisenbahnmuseen, großenteils der Witterung ausgesetzt und demzufolge unterschiedlich ansehnlich. Sehr angenehm ist, dass das Freigelände im Vergleich zu anderen Ausstellungen sehr aufgeräumt ist und jedes Exponat mit einem Schild mit Erklärungen ausgestattet ist.

Die gleiche sorgfältige Handschrift findet man auch in den Darstellungen in den Räumlichkeiten, wobei ich hier den Eindruck habe, dass der Aufbau des Museums sicher öffentlich gefördert war - immerhin mussten alle Präsentationen recherchiert und ausgearbeitet werden -, heute aber die Erhaltung des Erreichten den "üblichen (wenigen) Aktiven" eines Museums-Fördervereins obliegt, die mit selbstlosem Einsatz viel mehr schaffen möchten als sie objektiv können. Wohlgemerkt, dies soll keine Kritik oder abschätzige Bemerkung sein, sondern nur unterstreichen, wie wertvoll dieses Engagement ist, das unsere uneingeschränkte Anerkennung finden muss.

Daher noch einmal mein Tipp an alle Kleinbahner unter den Eisenbahnfreunden:

Hinfahren, Zeit mitnehmen, Spendenbüchse bedienen, Literatur über brandenburgische Kleinbahnen nicht vorher, sondern dort kaufen, alles in Ruhe anschauen und ein Schwätzchen nicht vergessen.

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Verfasst von Herbert Haun 08.2015. Berichtigungen und Ergänzungen sind willkommen.

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Optimal für 800 x 600 Pixel - © Herbert Haun - Letzte Änderung 19.08.2015

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