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Wieder einmal in Ruhpolding:
Zur Erklärung vorweg: es ist nicht so, dass wir jedes Jahr nach Ruhpolding fahren, um herauszufinden, ob der Bahnhof noch da ist. Vielmehr steuern wir den Ort an, um uns in der nach unserer Erfahrung schönsten Jahreszeit dort einfach zu erholen in positiver Umgebung, mit erwachender Natur (gibt es dort satt) und ohne allzu große Entfernung von der Zivilisation (Salzburg, München, Kitzbühel, Innsbruck, Chiemsee, Kaprun, Großglockner, Schliersee, Krimml, Zillertal, ..... alles mögliche Tagesausflüge. Man kann auch am Ort bleiben und Relaxen, Golfen, Schwimmen, Drachenfliegen, Raften, Mountainbiken oder auch nur Fahrradfahren oder mit den Kindern in den Märchenpark gehen. Für Technikinteressierte gibt es jede Menge Museen über Bergbau, Salzgewinnung, Waldwirtschaft und Brauchtum am Ort und in der Umgebung sowie für Modellbahner eine kommerzielle Ausstellung in Ruhpolding, einen echten Freak in ewigem Bauzustand in Grassau und eine riesengroße Spur-II-Anlage im Museum für deutsche Automobilgeschichte in Amerang. Für das tägliche Leben sind alle notwendigen Geschäfte am Ort).
Haus Benno, unser Feriendomizil, liegt nun auf Höhe des Einfahrsignals von Ruhpolding Bf, durch drei andere Grundstücke akustisch gut abgeschirmt, so dass der stündlich kommende und gehende Zug nach Traunstein natürliches Interesse an Bahnhof und Strecke aufkeimen lässt. So gibt es gegenüber dem vergangenen Jahr zunächst einmal Positives zu vermelden: die betagten 139er Elloks und Silberling-Wagen sind seit März 2002 durch moderne, vierteilige 425er Triebzüge abgelöst worden, die wegen des Streckenzustands nicht schneller, wegen des Bayerntaktes nicht häufiger, aber mit Sicherheit komfortabler fahren und optisch trotz der mir persönlich nicht gefallenden Kopfform sicher verkehrswerbender wirken.
Es ist davon auszugehen, dass die mit Jacobsdrehgestellen ausgerüsteten Züge auch pfleglicher mit dem Gleis umgehen als die schweren Loks der Baureihen 111 und 139, die in den letzten Jahren nach der 144 und 141 hier eingesetzt wurden - obwohl das bei der Zugfrequenz dieser Nebenlinie, die wohl nie höher war als heute, sicher nicht ins Gewicht fallen mag!
Nutzen wir die Leere des Bahnhofsgeländes, die stündlich nur von "fünf vor halb" bis "zwei nach halb" durch die Stippvisite des Triebzugs unterbrochen wird, für einen Überblick über das verblüffend vollständig und gut erhaltene bayerische Gebäude-Ensemble.
Von links: Das Toilettenhäuschen ist inzwischen anderer Verwendung zugeführt, die Toiletten im Empfangsgebäude werden noch betrieben.
Es schließt sich das aus Bruchsteinen für die Ewigkeit gemauerte Empfangsgebäude an, in dem im Erdgeschoss seitens der Bayerischen Südostbahn als Tochter der DB AG die Fahrkartenausgabe und der Warteraum geöffnet sind. Die oberen Geschosse scheinen nicht genutzt zu werden.
Unter dem Dach des Hausbahnsteigs ist ein Glaskasten eingebaut, der das aufgrund der Rückbauten überdimensionierte Hebelstellwerk beherbergt.
Nach rechts schließt sich an das Empfangsgebäude der zweiteilige Güter- und Expressgutschuppen in Holzbauweise an. Er wird offenbar nicht genutzt.
Ganz rechts spitzt noch das Häuschen der Gleiswaage hervor, das schon seit langer Zeit entwidmet ist und als Heizöllagerraum genutzt wird.
In der Gesamtschau ist links ein wenig von der auf der ehemaligen Ladestraße eingerichteten Park- und Fahrradabstellanlage zu sehen. Der Prellblock schließt das verbliebene Bahnhofsgleis 2 ab. Im Vordergrund steht das Fundament eines vor nicht langer Zeit bei einer Umgestaltung der Gleisanlagen aufgestellten und bereits wieder weggeflexten Oberleitungsmasten.
Das gleiche Schicksal hat alle rechts am Bildrand stehenden Masten ebenfalls ereilt. Im Hintergrund von Bild 11 ist gerade noch die markante Gruppe der drei Ausfahrsignale zu erkennen, deren beide rechten mangels Gleises durchgekreuzt sind. Der Schotter links im Bild war einmal das Hausbahnsteig- und Ladegleis 1, der Schotter rechts vom breiten Mittelbahnsteig gehört zum Gleis 3 und 4.
Die ganz rechts sichtbare Busch- und Baumgruppe steht auf dem Gelände, auf dem von den dreißiger bis in die sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts die Touristikzüge abgestellt wurden. Dahinter, auf dem Bild nicht zu sehen, stehen die Weichen- und Signalspannwerke.
Die Reste von Gleis 3 und 4 ermöglichen nur für kurze Zeit, anstelle Quellen- ein wenig Schwellenstudium zu betreiben. Dazu an anderem Orte mehr.
Zum Abschied noch ein näherer Blick auf die Gruppe der Ausfahrsignale, alle drei bereits mit LED-Beleuchtung ausgerüstet, die beiden rechten dezent durchkreuzt. Bis nächstes Jahr dann!
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