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Herbert Haun: 
Status Bf Ruhpolding April / Mai 2001

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Die Nebenbahn von Traunstein nach Ruhpolding war bisher in Ruhpolding von einem noch recht romantischen und betrieblich verhältnismäßig vollständigen Kopfbahnhof mit Ladegleis, Umfahr- und Abstellmöglichkeiten gekrönt. 

Aus Bruchsteinen gemauertes, gut erhaltenes und mit Bretter-Güterschuppen versehenes, repräsentatives Bahnhofsgebäude, gepflegte Bus- und PKW-Stellmöglichkeiten, relativ sauberes und gepflegtes Gleisfeld, Formsignale und Ortsnähe zeichneten den Bahnhof als Tipp für einen Ausflug mit dem stündlich fahrenden, leidlich besetzten elektrischen Zug aus. 

Auch in diesem Jahr schien sich bei erstem Besehen daran nichts Wesentliches geändert zu haben, wobei man festhalten muss, dass der getriebene Aufwand mit Sicherheit gemessen an den Reisendenzahlen unwirtschaftlich war.

Ruhpolding 29.04.2001 (Foto: Herbert Haun)
 Bild 1: Der Blick von Norden aus einiger Entfernung auf den
Ruhpoldinger Bahnhof lässt (noch) nichts Böses ahnen.

Somit ist der in diesem Jahr (2000 / 2001) offensichtlich getane Schritt zu mehr Wirtschaftlichkeit folgerichtig, denn bei näherem Hinsehen offenbaren sich die auch von anderen Stellen des Netzes der DB AG bekannten Rückbauten.

Ruhpolding 29.04.2001 (Foto: Herbert Haun)
Bild 2: Genaueres Hinschauen offenbart die fehlenden Gasbehälter
der Weichenheizung in der Einfahrt und die fehlende Oberleitung im
abzweigenden Strang.

An der Einfahrweiche fällt auf, dass das Weichensignal ebenso wie die Gasbehälter der Weichenheizung fehlen, auch wenn die Drahtzugkanäle und der Antrieb offenbar noch vorhanden sind. Der Ausbau einer Weichenzunge belegt, dass hier sämtliche im Tagesbetrieb nicht mehr benötigten Gleise dem Betriebsbestand der DB AG Netz entzogen und somit von Produktivkapital in Immobilie verwandelt wurden.

Ruhpolding 29.04.2001 (Foto: Herbert Haun)
Bild 3: Wendezug verlässt Ruhpolding am 29.04.2001.

Noch fährt stündlich der von BR 139 mit Einholmstromabnehmer gezogene (und hier bei der Rückfahrt geschobene) Dreiwagenzug, der nur abends, wenn die Strecke Traunstein – Waging am See ruht, von 628 ersetzt wird. Er erscheint durchaus überdimensioniert – wohl dem doch noch reichlichen Schülerverkehr geschuldet?

Ruhpolding 29.04.2001 (Foto: Herbert Haun)
Bild 4: Abzweig zum Hausbahnsteig-/Ladegleis mit
fehlender Weichenzunge (im Schatten) und Oberleitung.

Doch bei der Einfahrt nach Ruhpolding findet er seine 15 kV nur noch über einem einzigen Gleis, was bei einigen der erhalten gebliebenen Fachwerkmasten phantasievolle Ausleger erforderte. Die übrigen wurden gefällt. 

Ebenso wurden die Umfahrmöglichkeiten am anderen Ende des Bahnhofs durch einen prosaischen Prellbock und eine Vielzahl kostenfreier Parkplätze für Pendler, die man hier auf die Bahn zu locken hofft, ersetzt.

– was zu wünschen wäre, aber die Straßen rundherum sind recht gut ausgebaut und die Strecke ist mit etlichen Langsamfahrstrecken zu langsam!

Ruhpolding 29.04.2001 (Foto: Herbert Haun)
Bild 5: Der einfahrende Wendezug, geführt von BR 139, passiert den
unterbrochenen Abzweig zum Umfahr- und Abstellgleis (Sicht von Süden
auf die Situation der Bilder 1 und 2).

So bleibt dem Zug aus Traunstein also keine Alternative bei der Einfahrt, eindrucksvoll durch die herausgeschnittenen 10 m Gleis zur ehemaligen Abstellanlage unterstrichen. 

Warum aber zieht der Fahrdienstleiter stündlich das Einfahrsignal auf Hp1, und ebenso das Ausfahrsignal, wenn der Zug nach 10 Minuten Aufenthalt wieder zurückpendelt? Betrieblich gibt es zum Rein – Halten – Raus keine Alternative mehr, und mehr als ein Zug kann auf dem letzten Stück Strecke zwischen Siegsdorf und Ruhpolding nicht unterwegs sein – fände der ankommende Zug den Bahnhof Ruhpolding belegt und das Einfahrsignal auf Hp0, er müsste zurückfahren....

Ruhpolding 29.04.2001 (Foto: Herbert Haun)
Bild 6: Noch stehen die Ausfahrsignale, aber die nicht mehr nutzbaren Gleise
sind bereits rostbraun - die Natur beginnt, ihr Terrain zurück zu erobern.

Zum Schluss noch ein Blick auf das Gleisfeld des Bahnhofs Ruhpolding. Ganz links die noch reichlich vorhandenen Drahtzüge der Signale, Weichen und des im Vordergrund verlaufenden beschrankten Überwegs mit Anrufschranke. 

Danach das Buschwerk der bereits vor vielen Jahren stillgelegten Abstellanlage für die Touristenzüge des seit den dreißiger Jahren so annoncierten Fremdenverkehrsorts Ruhpolding. Weiter rechts die beiden nun arbeitslosen Formsignale der aktuell stillgelegten Bahnsteig- und Umfahrgleise. 

Ganz rechts spitzt noch das einzige aktive Ausfahrsignal hervor und das Bahnhofsgebäude, gut erhalten, aber offenbar schon unbewohnt, ist zu erkennen.

Der Wagenladungsverkehr ist schon seit einigen Jahren eingestellt, den letzten mit Holz beladenen Wagen habe ich im Frühjahr 1997 – wenn die Erinnerung nicht trügt – gesehen, wobei die Beobachtung nicht ganzjährig, sondern nur während jeweils dreiwöchiger Frühjahrsferien erfolgte.

Zur Strecke gibt es in der Verlagsgruppe Bahn (ehemals Hermann Merker Verlag) ein recht ordentlich gemachtes Sonderheft.

 

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Optimal für 800 x 600 Pixel - © Herbert Haun - Letzte Änderung 24.05.2002

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